Karin Schiller

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Mit dem Rucksack durch den Balkan – Transfer über Shkodra nach Podgorica

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Minibus nach Shkodra

Minibus nach Shkodra

Wir verlassen mit gepackten Rucksäcken unser kleines Hotel in Tirana und machen uns auf den Weg zur Minibus-Haltestelle, die wir tags zuvor ausfindig gemacht haben. Die Bushaltestellen sind zwar nicht ausgeschildert, doch man findet sie schnell. Man muss nur am Straßenrand, wo diese Kleinbusse halten, genau hinhören, denn der jeweilige Bus-Begleiter ruft die Destination mit lauter Stimme aus. An einigen dieser Sammeltaxis fragen wir nach Shkodra und bekommen sofort Unterstützung. Mittels Zurufe und Richtungsanzeige werden wir geleitet bis wir die richtige Stelle erreicht haben. Das klappt sogar über einen dicht-befahrenen Verkehrskreisel, wo der Fahrer gleich anhält und man uns die Tür aufhält.

Die Fahrt nach Shkodra dauert etwa vier Stunden und in dem Kleinbus gibt es – wie immer – keine Klimaanlage. Verschwitzt steigen wir an der Haltestelle in Shkodra aus und fragen nach dem Folgebus. Geschockt sind wir, als man uns sagt, dass es schon wieder keinen direkten Bus nach Podgorica gibt, sondern nur einen, der in vier Stunden nach Montenegro fährt – allerdings  in die entgegengesetzte, südliche Richtung. Der Busfahrer erklärt uns eifrig, dass wir uns ein Taxi nehmen können und führt uns zu seinem Freund am Taxistand, gleich neben der Bushaltestelle. Dieser verlangt von uns 60 Euro! Mammamia!!!  So viel wollen wir auf keinen Fall zahlen. Wir beschließen, eine Pause einzulegen, in der wir nach einer günstigeren Möglichkeit Ausschau halten wollen und machen uns auf den Weg in die Stadt.

In der Innenstadt von Shkodra

In der Innenstadt von Shkodra

Irgendwie scheint es sich herumgesprochen zu haben, dass wir ein Taxi suchen, denn alle paar Minuten werden wir von Leuten angesprochen, die uns anbieten, für 40, 50 –  ja einer sogar für 70 Euros mit einem Van –  nach Podgorica zu bringen. Wir schlagen erst mal alle Angebote in den Wind und machen uns auf die Suche nach verlässlicheren Informationsquellen. Wir gehen zur Tourist-Information von Shkodra. Dort bestätigt uns eine junge Dame, dass 30 Euro für diese Fahrt ein durchaus ortsüblicher und angemessener Preis ist.

Da wir hungrig und durstig sind und uns der Schweiß aus allen Poren fließt, machen wir erst einmal ein Picknick im Schatten der Bäume auf dem Rondell am Zentrum. Aber auch hier halten die Autofahrer an und fragen, ob sie uns irgendwo hinbringen dürfen. Mein Freund hat dann die Idee und schreibt sich zwei Zahlen auf die Handinnenflächen: 15 in die eine, 20 in die andere Hand. Wenn ein Wagen anhält zeigt er dem Fahrer erst die Hand mit der “15” und bekommt ein Kopfschütteln gezeigt; dann hebt er die andere Hand mit der “20” nach oben und der Fahrer zeigt ihm einen Vogel und fährt davon…..und zwar jeder, ohne Ausnahme.

Warten im Schatten der Bäume auf dem Rondel

Warten im Schatten der Bäume auf dem Rondel

Es wird leider immer später und wir müssen eine Lösung für unser Problem finden. Notgedrungen gehen wir zurück zu der Busstation. Wir wollen uns nach dem Montenegro-Bus in die “falsche” Richtung erkundigen. Noch während des Gesprächs mit dem Busfahrer stößt ein junger Mann dazu und macht uns – in gutem Englisch – ein sehr interessantes Angebot. Er will uns für 15 Euro zum Grenzübergang nach Hani i Hotit bringen. Von da an sollen wir uns alleine nach Podgorica durchschlagen. Es sei nicht so schwer, denn es gibt genug Grenzgänger, die Reisende für ein paar Euro in ihrem Wagen mitnehmen. Wir sollen uns nur vor den Taxifahrern hüten, die an der Grenze wie Wölfe auf Schafe warten und ja nicht in eines dieser Taxis steigen.

Nick, so heißt unser netter Fahrer, entpuppt sich dann als ein Universitätsprofessor, der in den Semesterferien sein kärgliches Professorengehalt mit Taxifahren aufbessert. Er kann uns viel über Geschichte, Kultur und Politik  Albaniens erzählen und wir genießen die Fahrt über die sehr, sehr schlechte Straße. An manchen Stellen wird es sogar so schlimm, dass man Angst haben muss, in die Tiefe zu stürzen. Bei Nacht möchten wir hier auf keinen Fall entlang fahren müssen.

Straße von Shkodra nach Hani i Hotit

Straße von Shkodra nach Hani i Hotit

Route: Shodra – Hani i Hotit

Nach zwei Stunden langsamer Fahrt erreichen wir die Grenze. Wir verabschieden uns herzlich von Nick, unserem neuen Freund. Er winkt uns noch lange nach und sieht, wie wir an den lauernden Taxifahrer-Wölfen vorbei, zum albanischen Grenzübergang gehen.

Malerische Landschaft an der Grenze zu Montenegro

Malerische Landschaft an der Grenze zu Montenegro

Nachdem wir auch das Niemandsland durchquert haben und von Montenegro freundlich mit “Dobro Doşli” begrüßt werden, befinden wir uns in einer malerischen, von Bergkämmen umgebenen See-Landschaft. Wir warten hinter dem Grenzübergang auf unsere nächste Mitfahrgelegenheit. Aber erst einmal vergebens, denn die wenigen Autos und Lastwagen fahren einfach an uns vorbei. Anscheinend ist es doch nicht so einfach, als Tramper mitgenommen zu werden.

Warten hinter der Grenze auf eine Mitfahrgelegenheit

Warten hinter der Grenze auf eine Mitfahrgelegenheit

Als wir schon fast aufgeben und zu Fuß die etwa 20 km weiter gehen wollen, hält dann ein Auto mit zwei älteren Herren, die ebenfalls nach Podgorica wollen, an. Sie sind so nett und nehmen uns sogar umsonst mit. Ja, sie fahren uns noch extra zu einem Hotel, von dem sie annehmen, dass es unseren Wünschen gerecht wird. Soviel Hilfsbereitschaft kann man wohl sonst kaum finden. Wir bedanken uns sehr überschwänglich und geben ihnen zum Dank ein Türkisches Auge, einen Nazar Boncuk, das ihnen Glück bringen soll.

Wir haben es geschafft, für nur 15 Euro nach Podgorica zu kommen. Es ist zudem noch früh genug. Froh gelaunt traben wir los und suchen uns ein Internet-Café, wo wir nach einer passenden Übernachtungsmöglichkeit recherchieren können.

Ankunft im schönen Podgorica

Ankunft im schönen Podgorica

Wer hier klickt, kann alle Bilder von dieser Reise sehen.

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2 Comments

  1. Hallunke666 says:

    Das hättet ihr noch billiger, als 15 Euro haben können. Von Shkodra gibt es Busse nach Ulcinj in Montenegro(die keine 5 Euro kosten). Und von Ulcinj fahren laufend Busse nach Podgorica, quasi jede halbe Stunde(Fahrtkosten 6 Euro, Fahrtzeit ca. 90 Minuten)

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