Karin Schiller

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Mit dem Rucksack durch den Balkan – Sarajevo I

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Unser Taxi bringt uns nach einer langen Fahrt durch Stadtgebiete mit Hochhäusern in den Altstadtteil von Sarajevo, der Başçarşija. Wir passieren auf unserer Fahrt auch ein Gebiet, das als “Sniper Alley” während der Besetzung im letzten Krieg, berühmt wurde. Heckenschützen auf den Hochhausdächern schossen damals auf alles, was sich bewegte. Wer dort vorbei musste, musste buchstäblich um sein Leben rennen.

Wir sehen die Hochhäuser mit den zerbombten Mauern. Bisher haben wir vom vergangenen Balkan-Krieg nicht viel mitbekommen, haben nur die schönen Seiten des Landschaften und Städte kennen gelernt. Hier in Sarajevo werden wir mit der hässlichen Seite der Vergangenheit konfrontiert.

Aber wir sind noch zu erschöpft von der anstrengenden Nachtreise. Schauen nur, sagen nichts und machen auch keine Fotos. Neben Müdigkeit legt sich eine schwere Stimmung auf unser Gemüt, eine Ahnung von Krieg und Zerstörung. Geschichtlich war Sarajevo zwar bereits im Ersten Weltkrieg von Bedeutung, aber uns haften nur die schrecklichen Bilder der Kriegsgeschehnissen aus den Neunzigern im Gedächtnis. Jetzt werden sie – beim Anblick der Einschusslöcher an den Häusern, gerade wieder präsent.

Krieg ist grauenvoll. Diese Stimmung versuche ich hier ein wenig zu vermitteln. Für mehr Information empfehle ich im Internet zu recherchieren oder

Juli Zeh – Die Stille ist ein Geräusch

Die Stille ist ein Geräusch

Die Stille ist ein Geräusch

zu lesen.

Auszug:

Kriegsverlauf:
Die Unabhängigkeitserklärung Kroatiens 1991 führt zu Kämpfen zwischen Serben und Kroaten. In Bosnien entstanden drei Parteien, die Moslems, die Serben und die Kroaten. Die Moslems und die Kroatische Partei verbinden sich gegen die Serben und erklären am 9.1.1992 die Unabhängigkeit der Republik Bosnien- Herzegowina. Durch den Einfluss des Präsidenten Milosevic beginnen die Serben einen Hass gegen Moslems und Kroaten zu entwickeln. Es entsteht eine Art Krieg, bei dem die Serben einen großen militärischen Vorteil besitzen, da ihnen das gesamte Waffenarsenal der jugoslawischen Volksarmee zu Verfügung steht. Durch die Führung von General Mladic bringen die Serben Gebiete im Norden und Osten Bosniens in ihre Gewalt, um so eine Art “Großserbien” zu gründen. Die Kroaten versuchen auch einige Gebiete zu besetzen, um ihr Land Kroatien zu stärken.
Die Mittel der einzelnen Gruppierungen, um Gebiete zu besetzen und um eine ethnische Säuberung zu erhalten, waren Massenhinrichtungen von Zivilisten, systematische Vergewaltigungen, Vertreibungen aus den Dörfern und Verminung der Dörfer, damit die Zivilisten nicht zurückkehren können. 
Dadurch wurde Mostar von den Kroaten und Sarajevo von den Serben besetzt. 

Die UNO schickt 1992 “Die Blauhelme” nach Bosnien: die UNPROFOR. Jedoch fehlt das Mandat der Kriegshandlung, das heißt, dass sie als Zuschauer bei den Massakern z.B. in Srebrenica zusehen mussten. 
Es wurden viele Friedensverträge entwickelt, aber jeder wurde von den Kriegsparteien abgelehnt.
Ende 1995 gelingt es, den Daytoner Vertrag durchzusetzen. Der Zeitpunkt ist günstig, da die einzelnen Parteien über gleichgroße Gebietsteile verfügen. Der Vertrag macht Bosnien- Herzegowina zu einem selbstständigen Staat. Zwei Bundesländer entstehen: Zum einen die Konföderation, wo nur Kroaten und Moslems wohnen und zum anderen die Republika Srpska, wo nur Serben leben. Nun setzt die NATO die Friedenstruppe SFOR (Stabilisation Force) ein, um Frieden zu schaffen und um das Land zu stabilisieren. 

Die Zahl der Kriegsopfer liegt etwa bei 300.000 Toten, die Zahl der Vertriebenen und Flüchtlingen bei 1.8 Millionen und die Flüchtlinge nach Westen ca. bei 500.000. Die Zahlen variieren stark, deshalb ist eine genaue Schätzung schwierig.”

Hier sind noch mehr Bilder von Sarajevo

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5 Comments

  1. platinumofliii says:

    Sniper Alley hört sich an, wie eine Position in Counter Strike, einem Ego-Shooter Computerspiel – wurde allerdings zur Realität. Entlang der Hauptverkehrsstraße Zmaja od Bosne verschanzten sich Heckenschützen, um wahllos auf Fahrzeuge und Passanten zu schießen. Das Holiday Inn-Hotel wurde von Anfang an zur Todeszone erklärt. Täglich schlugen über 300 Granaten in Sarajevo ein, eine nicht realisierbare Ziffer. Am 23. Juli 1992 ist die Zahl mit über 3500 Granaten beziffert. Die Granaten explodieren nicht nur auf befahrenen Straßen, sondern auch auf Marktplätzen, wo besonders viele Menschen sterben mussten.

    “Ein Tunnel als Lebensretter.”

    Nachdem Sarajevo umkesselt war, wurde die Idee geboren, einen Tunnel zu errichten. Nicht primär um zu flüchten, sondern um die Versorgung an Lebensmitteln, Munition und Waffen wiederherzustellen. Der 800 Meter lange Verbindungsweg, der unter dem Flughafengelände errichtet wurde, war die Nabelschnur der Einwohner.

  2. Danke platinumofliii für diese weiterführende Information.

    Ja, es war grauenhaft und auch der Jahrestag des Massakers von Srebrenica im Juli 1995 erinnert und mahnt uns daran.

    Danke auch für das Interesse an meinem Blog!

  3. It’s awesome to visit this web site and reading the views of all colleagues on the topic of this paragraph, while I am also zealous of getting familiarity.

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