Karin Schiller

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Mit dem Rucksack durch den Balkan – Sarajevo II

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IMG_2682Gleich nach Ankunft in der Başçarşija, dem östlichen Zentrum Sarajevos, machen wir uns an die Hotelsuche. Da es noch sehr früh ist und wir nicht vorgebucht haben, haben wir kaum Hoffnung,  gleich ein Zimmer zu bekommen.  Wir sind zwar sehr erschöpft, wollen einfach nur eine Dusche und ein Bett, aber trotzdem bleiben wir nicht gleich bei den ersten Hotels hängen, sondern suchen weiter. Preiswert und komfortabel soll es sein. Wir sehen ein Hotel-Hinweisschild und folgen ihm, steigen immer weiter hinauf in den oberen, dörflichen Stadtteil. Doch plötzlich verlieren sich alle Hinweise und wir wissen nicht mehr weiter. Da kommt uns von unten ein alter Mann entgegen und spricht uns an.  Als er begreift, dass wir ein Hotel suchen, gibt er uns durch Zeichen zu verstehen,  ihm zu folgen. Etwas widerstrebend gehen wir mit. Wir sind leicht irritiert, weil wir uns nicht vorstellen können, hier oben, wo es nur noch ganz alte Häuser gibt, aus deren Höfe man Hühner gackern hört und auf deren Gartenmauern Katzen hocken, ein Hotel zu finden.Weg zum Hotel Trotz aller Zweifel bleiben wir aber an ihm dran, weil er sich ständig nach uns umdreht und zu sich heran winkt.  Wir scherzen bereits, dass er uns gleich zu seiner Familie bringen wird, da bleibt der Alte plötzlich stehen und zeigt nach vorne.  Beim Näherkommen sehen wir es, unser Hotel  “Hayat” (=türkisch: Leben).

Unser Hotel oben in der Altstadt

Unser Hotel oben in der Altstadt

Ein nettes kleines Vier-Sterne-Hotel! Wir sind so überrascht davon, dass wir gar nicht mitbekommen, dass der Alte schon weiter gegangen ist und können ihm nur noch ein freundliches “Thank you” hinterher rufen. An der Rezeption bekommen wir sofort ein Dachzimmer mit einem herrlichen Ausblick über die Stadt,  und mit Bad und Frühstück – zu einem vernünftigen Preis von 15 EUR pro Person.

Blick aus dem Dachfenster

Blick aus dem Dachfenster

Nachdem wir uns erholt und wieder genügend Energie getankt haben, machen wir uns auf zu einem ersten Stadtbummel.

Gleich am Eingang zum touristischen Altstadtbereich mit den vielen Sehenswürdigkeiten  (Handwerksbetriebe, Läden, Cafes, Restaurants, Gazi Husrev Beg und Baščaršija Moschee, der Brunnen Sebilj, die Karawanserei Morici Han, die osmanische Ladenstraße  Brusa Bezistan, Uhrturm und einige mehr) treffen wir auf ein Motorrad-Pärchen, das mit dem Bike schon viele Länder bereist hat. Stolz lassen sich die beiden mit den vielen Stickern auf den Koffern von uns fotografieren.

Globetrotter-Biker

Globetrotter-Biker

Uns kommt sofort die Idee,  auch unsere Flag-Sticker an unsere Rucksäcke zu pinnen. 🙂

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Die Başçarşija ist ein altes Handwerker-Stadtteil. Hier findet man handwerkliche Kunst in kleinen Geschäften mit gemütlichen Sitzbänken davor. Von Textil, Leder über Holz und Metall wird alles verarbeitet. Nach dem Bosnien-Krieg auch Kriegsmunition: Projektile und Waffenteile, die zu allerlei Kunst- und Gebrauchsgegenständen umgearbeitet werden. “Schwerter zu Pflugscharen” war in den 70igern mal ein bekannter Slogan der Friedensbewegung. Hier findet man ihn in die Praxis umgesetzt.

Eingang "Bascarsija"

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Mein Freund findet Gefallen an den Patronenhülsen-Kugelschreibern und lässt sich ein halbes Dutzend davon mit dem Handborer mit  “Bosna Sarajevo” beschriften. Der Verkäufer bekommt fast einen Krampf,  muss seine Hand ständig ausschütteln, hält aber tapfer durch Kriegs-Souveniersund graviert weiter.

Für mich sind solche Kriegs-Souveniers schon etwas makaber, darum will ich zunächst nichts davon wissen. Noch ahne ich nicht, dass ich bald selbst zu einem Patronenhülsenkulli- Besitzer werde, denn am Abend bekommt mein Freund kalte Füße und wirft sie alle  fort. Als Mitglied der Streitkräfte hat er Angst, dass er Ärger bekommt, wenn er mit dieser “Munition” im Koffer in seiner Heimat erwischt wird. Ich finde das natürlich etwas übertrieben und “rette” wenigstens einen einzigen aus dem Müll. Mit diesem schreibe ich in mein Tagebuch. So hat wenigstens dieser Kuli eine gute Verwendung  🙂 Munitions-Kugelschreiber

Für den Abend besorgen wir uns in einem kleinen Supermarkt ein paar Leckereien und dazu eine Flasche Schnaps mit der Aufschrift: “Lozovaca privodna rakija” und glauben eine köstliche Bosnische Spezialität gefunden zu haben ähnlich wie Türkischer Raki. Doch weit gefehlt…es schmeckt grauenhaft und mit Wasser und Eiswürfel gemischt, wird es auch nicht besser. Wir haben uns schon gewundert, warum es nicht weiß wird wie die “Löwenmilch”!, die wir so mögen. Glücklicherweise haben wir auch noch O-Saft gekauft. So können wir es wenigstens zu einem Longdrink gemixt einigermaßen genießen. Wieder was dazu gelernt: Rakija bleibt klar und schmeckt nicht wie Raki. 😉

privodna rakiya

privodna rakiya

 

Und hier gibt’s noch mehr Bilder von Sarajevo

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5 Comments

  1. Raoul Alexandersson Bloggar igen says:

    Dear karin This make me happy. Im ready to find inspiration and start writing soon.
    RAOUL

  2. Raoul Alexandersson Bloggar igen says:

    Forgot to add that your descriptions are becoming more alive Amazing!
    r

  3. Raoul Alexandersson Bloggar igen says:

    coming to relax here…WRITE! love this sajt

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